"Kleider machen Leute". Dies gilt in Bhutan nicht weniger als anderswo. Was wir aber am "Tsechu", dem alljährlichen Tempel- und Volksfest von Paro erleben, übertrifft alles Bisherige, was die Bedeutung von traditioneller Kleidung und deren Ausstrahlung angeht. Auf die Frage, was wir denn beim "Tsechu" beachten müssen, hören wir nur eines: Ihr müsst schön angezogen sein. Und so hat es satte 3 Tage gedauert, bis die ganze Familie mit den "Kiras" für die Mädchen und Mei, eingekleidet war. Das Anziehen vor dem Fest war dann eine so anspruchsvolle Angelegenheit, dass zwei Bhutanesinnen mit uns eine gute halbe Stunde beschäftigt waren. Neben den Damen sah ich dann plötzlich so schmuddelig drein, dass mir der Koch des Hauses spontan seinen persönlichen "Gho" anbot. Da gab es auch für mich kein Zurück mehr.
Während 5 Tagen tanzen vor allem Mönche zu Ehren von Guru Rinpoche verschiedenste Tänze, die seit Jahrhunderten in denselben Ritualen vorgeführt werden. Dazwischen sind folkloristische Darbietungen von Volkstänzen eingeflochten. Das Ganze wird umrahmt von einem theatralischen Auflockerung, die Geschichten erzählt und vor allem ältere Leute und Kinder direkt ins Geschehen integriert. Während dem ganzen Tag berieseln Gongs, Glocken, Trommeln und verschieden Hörner das Geschehen.
Mit unglaublicher Ausdauer verfolgen auch die Kinder das bunte Treiben. Ich bin tief beeindruckt von der einzigartigen Stimmung, die über den Kiras und Ghos liegt. Ein Fest ohne Hauch von Kommerz, wir wir es noch nie erlebt haben. Geld fliesst einzig zu Opferzwecken. Verpflegung nimmt jeder in Thermosflaschen und Reisschüsseln mit. Keine Stände, keine Lautsprecher, keine Werbung - einfach nichts, dass an uns gewohnte "Festverhältnisse" erinnert. Ein Reigen von Farben, Geschichten und sanften Gesichtern spielt zwischen flatternden Ghos und Kiras.
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