Gemeinsamkeiten zwischen der buddhistischen Tradition und der abendländischen Kultur gibt es viele. Bei der interkulturellen Suche nach Brücken werden diese auch immer wieder hervorgehoben. Ich bevorzuge das Ausloten der Unterschiede, die es zu entdecken und miteinander abzuwägen gilt. Einer dieser Unterschiede wird in den alten Texten immer wieder hervorgehoben: Der Zweifel. Er gilt als Hindernis in der buddhistischen Praxis, als Bremse in der Meditationentwicklung, schliesslich als eine zusätzliche Hürde auf dem sonst schon steinigen Weg zur Erleuchtung.
Nicht so in der abendländischen Philosophie-geschichte: Der Zweifel steht hier als Voraussetzung des genauen Prüfens, als methodische Notwendigkeit des Denkens um Erkenntnis zu erlangen. "Ich zweifle also bin ich" wurde zur Quelle des kritischen Denkens und des Selbstverständnis des modernen Menschen. Der kartesianische Markstein in der Ideengeschichte hat den Zweifel auf einen erkenntnistheoretischen Thron gehoben. Im westlichen Fortschrittsdrang hat sich daraus bis heute die Vernunft als Massstab aller Dinge behauptet.
Was bedeutet nun der Zweifel für den Reisenden zwischen den Kulturen? Der Reisende ist ständig auf dem Weg, muss sich entscheiden und nach kritischer Abwägung irgendeinmal weiterziehen. Zweifel wirken eher als Bremser, verlangen nach Pausen, Innehalten und Überlegen. Endet dieses Pausieren in einer Skepsis, die handlungsunfähig macht, ist der Globetrotter gut beraten gemäss buddhistischer Anleitung diese Hürde aus dem Weg zu räumen. Ansonsten bleibt der Reisende hängen, um sich in die philosophische Tradition des Westens einzureihen, die nicht wenige Reiseskeptiker hervorgebracht hat. So zum Beispiel Blaise Pascal, der sein Glück in den eigenen vier Wänden auf seinen Gedankenreisen fand.
Keine Kommentare:
Neue Kommentare sind nicht zulässig.