Wir fühlen uns immer wieder in vielen Reisebelangen als Exoten, wenn wir den grossen Mainstream beobachten. Umso länger unsere Reise dauert, desto bewusster wird uns das unbezahlbare Privileg, Zeit zu haben. Denn die Zeit wird zum wichtigsten Kapital und gerade da happerts beim grossen Mainstream, der aus der Hektik der postindustriellen Gesellschaft entstanden ist. Immer wieder fragen wir uns auf vielleicht schon kindliche Art und Weise, wieso die Reisenden sich so schnell bewegen, wieso in einem Tag drei Orte besuchen, statt einen, wieso in drei Monaten 8 Länder abklappern statt eines. Die Jagd nach Sehenswürdigkeiten, dem letzten Kick und dem ersehnten Exotischen unterliegt einer unheimlichen Unrast, einem Tempodiktat, das Orte und Menschen vorbeifliegen lässt. Die forsche Reisegeschwindigkeit vieler Touristen lässt Skepsis gegenüber dem Reisekult aufkommen, stellt das Reisen grundsätzlich in Frage und offenbart eine Leere zwischen den sesshaften, armen, traditionell verwurzelten Laoten und den globalisierten, mobilen und reichen Temposündern bloss. Die hiesige Gemächlichkeit ist und hat System, sodass der Fremde umso eher aufgefordert wäre, zu entschleunigen und mit Grosszügigkeit die Zeit zu verschenken. Dass die Chance nur selten gepackt wird, zeigt uns die Tatsache, dass man in den Gästehäusern bereits als "long-stay" gilt, wenn man länger als 2-3 Tage bleibt.
Mittwoch, 2. Februar 2011
Bewegter Stillstand
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