Während bei kurzen Ferienaufenthalten der Sinn des Reisen mit Erholungssuche oder Entdeckergeist relativ bald beantwortet ist, stellt sich die Frage beim Langzeitreisenden schon viel hartnäckiger. Das längere Unterwegssein ist anspruchsvoller für Körper und Geist, konfrontiert einen mit existenzielle Fragen und entblösst auch Sinn und Unsinn des Reisens. Schon öfters hat mich die sinnentleerte Sichtweise der Reisenden nachdenklich gestimmt. Eine vergnügungssüchtige, ständig nach dem letzten Kick suchende Reisegeneration ist herangewachsen und lässt mich älter fühlen, als ich meine, dass ich es bin. Diese junge, mobile, völlig globalisierte Mittelschicht ist zu vielfältig und vielschichtig, um sie pauschal zu verurteilen. Meine südostasiatischen Erfahrungen der letzten Monate deuten aber auf erschreckend viel Langeweile und Konformität wie auch Einsamkeit und Ideenlosigkeit bei dieser vom Wohlstand verwöhnten Generation hin. Der Sinn ist da oft abhanden gekommen, da Fragen anstrengend sind und schnell zur unbeliebten "Partybremse" werden.
Beim Langzeitreisen mit Kindern, was nach wie vor eine grosse Rarität ist, sind Sinnfragen kindlich präsent oder erübrigen sich im unmittelbaren Alltagsrhythmus. Wird doch überall auf der Welt durch das Kinder-Haben und -Sein Sinn produziert: Sinnproduktion durch Reproduktion oder Tod der Sinnkrise durch Geburtenglück. Vielleicht müssten wir uns da keine Sorgen machen und zusätzliche Fragen stellen. Doch dem sensiblen Bewusstsein reicht dies natürlich nicht und vielleicht gerade wegen dem Sinn des Kinder-Habens und -Seins lohnt es sich weiter zu fragen. Übersichtliche, einfache Antworten zu diesem Thema sind im postmodernen Setting selten geworden. Trotzdem haben die manchmal ekelhaften Sinnfragen nicht ausgedient. Ich werde einige Antworten lancieren.
Keine Kommentare:
Neue Kommentare sind nicht zulässig.