Franz Kafka's "Das Schloss" gehört nicht nur zu den schwierigeren Werken der deutschen Literatur, das Werk ist auch eine tragisch-komische Metapher für den kuriosen, unvorhersehbaren Lauf der Dinge. Für Kafka's tragischen Helden wird das anfänglich so banale Unternehmen, zum Schloss zu gelangen, allmählich ein unmögliches Unterfangen. So kann es einem überall und zu jederzeit ergehen, auch auf Reisen.
Auch wir wollen uns einen Besuch nicht entgehen lassen, denken wir. Doch bald merken wir, dass dieses Unterfangen uns irgendwie entgleitet. Der erste Versuch fällt den kurzen Öffnungszeiten, der zweite einem Feiertag und der dritte einem kollektiven Hungerast unserer Mädchen zum Opfer. Nach diesen gescheiterten Versuchen, den Königspalast zu erreichen, schwindet unser Interesse an einem Besuch zusehends. Wir rutschen in die Tempelwelt und den provinz-städtischen Alltag hinein, sodass sich unsere Aktivitäten immer weniger am touristischen Angebot orientieren. Wir leben uns, ebenso wie sich Kafka's Held unter die Dorfleute mischt, immer mehr ins Quartierleben ein.
Weder unser Königspalast noch Kafka's Schloss dienen aber als vollendete Metapher: Kafka's Geschichte bricht nach längeren Dorfgesprächen weit entfernt vom Schloss ab und wir besuchen den Königspalast kurz vor unserer Abreise doch noch, fast zufällig...
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