Samstag, 2. April 2011

Cheese and Chili

Nach bald 7 Monaten unterwegs haben wir eine Ernährungsgrundregel in Asien ziemlich konsequent gepflegt: Einheimische Gerichte sind importierten "Klassikern", ob Hamburger oder Röschti, Pizza oder Continental Breakfest, immer vorzuziehen. Aber auch diese Regel wird durch die Ausnahme bestätigt und so riskieren wir sporadisch mal einen kulinarischen Abstecher in die Schweizer Küche. Das "Swiss Guesthouse" in Bumthang bietet sich da als vielgepriesene Adresse an. Zufällig treffen wir da auch noch dessen Gründer, Dasho Fritz Maurer, der in diesem Tal während den letzten 40 Jahren als kreativer und unermüdlicher Pionier bekannt geworden ist.
Mit einem gesunden Nationalstolz möchten wir Ugen, unserem Chauffeur und Thinley, unserer Begleiterin vom Landwirtschaftsministerium, ein Swiss-Fondue offerieren. Dazu darf natürlich auch ein kleines "Ständli" auf dem Oergeli nicht fehlen. Die Freude der Bhutaner und unsere leicht patriotischen Gefühle verschwinden aber bereits nach dem ersten Rühren und Probieren der weltbekannten Käsesuppe:  Der Geschmack ist so miserabel, dass selbst dem eingefleischten Käseliebhaber die Fonduestimmung verdorben wird. So essen die Bhutaner aus reinem Anstand noch ein paar Brocken und wir machen stimmungshalber mit, bis wir schliessliche alle aufgeben. Nur Simea rührt fröhlich weiter und kriegt allmählich rote Backen. So sehnen wir uns nach Reis und Chili, was wir seit mehr als drei Wochen tagtäglich geniessen. Mit einem mehligen Nachgeschmack bezahlen wir eine saftige Schweizer Rechnung, da nicht nur die Inneneinrichtung, sondern auch die Preise gut schweizerische gestaltet sind. 
Auf der Weiterfahrt versuchen wir diesen missratenen Fondueplausch schnellsmöglich zu vergessen. Das Verdauen dieses kulinarischen Flops stellt sich aber bald als ein schwieriges Unterfangen heraus. Denn sowohl Ugen wie auch Thinley fühlen sich schlecht und schaffen es trotz grossen Anstrengungen einfach nicht, den Käseklumpen in ihren Mägen zu verarbeiten. Das erste Fondue im Leben auf den Strassen Bhutans zu verdauen wird deshalb zu einer echten Herausforderung, bis wir schliesslich doch noch unser Nachtlager  in Trongsa erreichen.
Kulinarische Spezialitäten sind kulturelle Errungenschaften, mit denen weltweit ein "gesunder" Patriotismus gepflegt werden kann. Nach unserem Fondue-Plausch im Swiss-Guesthouse in Bumthang werde ich den kulinarischen Nationalstolz unserer Käsenation in Zukunft sorgfältiger planen. Denn rumorende Käseklumpen in bhutanesischen Mägen schaffen ebensowenig  kulturelle Brücken, wie die Dauerpräsenz der ewigleuchtenden Chilis für unsere Mädchen. Die Voraussetzungen für einen kulinarischen Austausch der zwei Bergnationen könnten eigentlich besser nicht sein, basieren doch die bhutanesischen Hauptbeilagen zum Reis auf zwei Zutaten: Chili and Cheese!

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