Es ist bereits dunkel und wir fahren mit dem Töff durch die Kokoshaine Kho Phangans. Enya plaudert in Hochform auf meinem Rücken im Tragrucksack drauflos: I'm from Bhutan. I'm from Bhutan. I'm from Bhutan! Als ich nachfrage, Enya where do you come from? antwortet sie nach kurzem Zögern: Switzerland. Nach kurzer Pause überlegt sie weiter und plötzlich wiederholt sie mehrmals: I'm from Bangkok. Ich bin sowohl gut unterhalten wie auch etwas ratlos gegenüber ihrer scheinbar zufälligen Plauderei. Ist dies nun ein übermütiges Abendgeplapper oder eine naive Suche nach dem Ursprung. Da "Identität" eines meiner Lieblingsthemen verkörpert, neige ich dazu, meine intellektuellen Vorlieben in die Kinderfragen und Bemerkungen hineinzuprojezieren. Ich hüte mich aber trotzdem, die äusserst unterhaltsamen Augenblicke mit Erklärungen zu entzaubern. Ansonsten würde ich dem so charmanten Geplauder den naiven Reiz aberkennen. Enya fährt aber begeistert fort mit ihrer Standortbestimmung und wechselt nun regelmässig zwischen Bhutan, Switzerland und Bangkok hin und her. Ich spiele mit und frage ab und zu wieder nach. Nach einer längeren Stille insistiert Enya plötzlich und sagt: "Papa, Papa, Papa.... I'm from here." Da verschlägt es mir beinahe die Sprache und ich staune nur noch vor mich hin, wie dieses Geplauder doch noch einen tiefgründigen Hintergrund offenbart. "I'm from here" ist nicht nur Beweis, wie Enya das Reisen bewusst verdaut, sondern auch ein Lehrstück kindlicher Wahrnehmung des Augenblicks. Schlussendlich ist das Hier und Jetzt so wichtig, das auch das Fragen nach unserer Herkunft im Moment versinkt. Es zeigt, wie anpassungsfähig Kinder sind und wie das Reisen zur Nebensache wird, wenn der Augenblick das Mass aller Dinge ist.