Mei mischt seit einer Woche am Rande dieser Szene mit. Der Berner Yogi Reinhard Gammenthaler wurde für zwei Wochen Intensivkurs eingeladen. Sein Publikum ist ebenso vielfältig, wie das Yoga-Angebot auf der Insel. Mei's Woche ist intensiv und sie wirkt von Tag zu Tag physisch und psychisch entspannter. Die harte, disziplinierte Yogapraxis aus der "Berner Mattenschule" erscheint viel bodenständiger als die abgehobene verschworene Tantraszene der "Agama" Yoga-Schule: Ein Yoga-Schlagwort, zwei ziemlich unterschiedliche Wege mit differierenden Ein-, Vor und Yogastellungen, die faszinieren oder befremden. Irgendwie kriege ich das Gefühl nicht los, dass ich einer der wenigen Ausländer auf dieser Insel bin, die weder Yoga noch Fullmoonparties praktizieren. Sogar die Mädchen engagieren sich im Kinderyoga mit ihrer neuen Freundin Neves, die sie am Strand getroffen haben. Auch das Yogapublikum ist globalisiert, normalerweise eher älter als die Party-Junkies aber ebenso geprägt von hedonistisch-narzistischen Persönlichkeiten aus dem Westen. Als Insel-Szene-Markenzeichen ist mindestens ein Tattoo an exponierter Lage verlangt. Die meist gut geformten Körper verhüllen sich bei den Männern eher dürftig , währenddem die Frauen einen feenhaften Look zelebrieren, möglichst indisch, langrockig und langhaarig. Ein buntes Gemisch von Esoterik, Wahrheitssuche und Selbstverwirklichung hat sich hier zwischen Palmen, Sandstrand Dschungeldickicht eingenistet. Zufällig stossen wir auf diese bunte Menge während einem akkustischen Gitarrenkonzert im "Art Caffé". Zuerst spüren wir so etwas wie Kommunengeist dank lieblich fein angestimmten Beatles-Coverversionen. Da sich hier alle lieben, lächelt jeder, was er kann. Allerdings verspüre ich wenig Einfühlungsvermögen gegenüber Nicht-Eingeweihten. Kinder sind schon gar nicht erwünscht. So ernten wir mit den 3 Mädels glasige Blicke, als ob Kinder ein Vergehen gegen die spirituelle Selbstverwirklichung bedeute. Meine Kommunikationsversuche scheitern kläglich. Irgendwie läuft's mir kalt den Rücken runter ob so viel Liebes-Theater, nichts scheint natürlich, alles irgendwie wie im Film. Möglich, dass ich da einfach nicht mithalten kann, und ich diese feinstoffliche Ebene eher als absurdes Drama denn als spiritueller Weg wahrnehme.