Auf der Reise von Trongsa nach Thimpu durchqueren wir ein Gebiet mit nahezu alpinen Weiden so um die 3200 Metern über Meer. Allerdings sind die offenen Flächen mit einer Art Zwergbambus durchsetzt und die Weiden umgeben von ausgedehnten Nadelwäldern. Trotz der unterschiedlichen Vegetation gegenüber unseren Alpweiden, kommt beim Betrachten der gemütlich kauenden Yaks so etwas wie Vorfreude auf den bevorstehenden Sommer auf. Auch hier machen sich die Yakbauern in einem Monat auf, um in die höhergelegenen Sömmerungsgebiete zu ziehen. Die Halbnomaden zügeln jeweils mit dem ganzen Dorf in die Höhe. Nur die Ältesten und die Kinder bleiben zurück.
Beim Nippen am salzigen Buttertee erzählen Vater und Sohn von ihrer Herde, den Leoparden, den Tigern und dem Sommerquartier. Die Yaks sind sehr anspruchslose und pflegeleichte Tiere. Die tiefe Produktivität stört die Bauern nur wenig, obwohl sie nicht mehr aus dem Staunen herauskommen, als ich von Ziegen erzähle, die 8 Liter Milch pro Tag geben können. Die hiesige Yakhaltung hat irgendwie etwas Folkloristisches, fliesst doch das Haupteinkommen der Yakhirten aus dem Sammeln des heiss begehrten "Cordyceps", auch als Chinesischer Raupenpilz bekannt. Die Yaks leben mehr von ihrer symbolischen Ausstrahlung, als von ihrem produktiven Beitrag für den Lebensunterhalt. Sie prägen aber nach wie vor das Leben der teilweise sesshaft gewordenen Nomaden im Hochland.
Während unserer Reisewoche in Zentralbhutan sind wir wenigen Schafen, vereinzelten Ziegen, viel lokalem Rindergemisch und sowohl Brown Swiss wie auch Jersey-Kühen begegnet. Ziegen werden oft nur als Glücks- oder Schutztiere gehalten. Schafe bleiben Ausnahmeerscheinungen und das magere Rindvieh macht in den meisten Fällen einen eher verwilderten Eindruck. Völlig andere Konsum- und Produktionsgewohnheiten als in unserer modernen Landwirtschaft erklären den eigenständigen Bezug zu Tieren. Auch bei der Nutztierhaltung ist der buddhistische Hintergrund prägend. So werden die Tiere nicht geschlachtet, sondern eher geopfert oder manchmal sogar der Natur überlassen, vielleicht zum Schmaus eines Schneeleoparden oder einer Bärenfamilie. Da das Töten eine schwere Sünde bedeutet, haben die Bhutanesen dieses Übel exportiert. Meistens übernehmen muslimische Inder das blutige Handwerk. Trotz dieser Strategie sehe ich immer wieder getrocknetes Yakfleisch an Leinen aufgehängt oder auf dem Boden ausgebreitet. Diese Tiere können doch nicht alle aufgrund eines natürlichen Todes gestorben sein! Nach hartnäckigen Recherchen erfahre ich denn auch an einigen Orten, dass es Ausnahmen gibt und Tiere für den eigenen Verzehr geschlachtet werden.
Der mittlere Weg des bhutanesischen Buddhismus lässt immer wieder Kompromisse zu und so wage ich denn auch die Diskussion unter den Kollegen aus Landwirtschaft und Umwelt zu lancieren, inwiefern kontrollierte Abschüsse von Wildsauen eine Lösung bei Konflikten sein könnten. Auf die oben gestellten Frage antworte ich jedoch mit zurückhaltender Vorsicht. Als jagdgewohnter Europäer kann ich nur vergleichen, wie wir Konflikte wahrnehmen, austragen und versuchen zu lösen. Der preventive Abschuss bei uns basiert eigentlich auf einer Rechtfertigung, die dem Buddhismus entspringen könnte: Schaden verhindern bedeutet Leiden verringern. Nie würde ich jedoch eine "licence to kill" ausstellen, in einer Gesellschaft, die durch das Verbot des Tötens einen Respekt gegenüber den Tieren geschaffen hat, von dem wir eigentlich nur lernen können.
Keine Kommentare:
Neue Kommentare sind nicht zulässig.